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Konzept:: Mentor für sozial benachteiligte Schüler
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Konzept:
Mentor für sozial benachteiligte Schüler

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Ein Konzept vom
Elternverein zur Bildungsförderung Bremen e.V.

Gefördert mit Mitteln des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ und des Lokalen Aktionsplans „Vielfalt in Bremen“ sowie des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

BMFSFJ Vielfalt Bremen
Das Konzept steht hier als PDF zum Download zur Verfügung.

1 Zur Ausgangslage

Die PISA-Studien der letzten Jahre haben der Gesellschaft und Politik deutlich vor Augen geführt, dass erhebliche Mängel im Bildungszugang sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen existieren. Trotz einiger laufender Versuche der Politik und Bildungsbehörden die Defizite und Mängel der letzen Jahre zu beseitigen, haben sich diese Bemühungen bisher jedoch noch nicht im gewünschten Maße ausgewirkt. Insbesondere in der Analyse und Identifizierung der Ursachen mangelt es noch weitgehend an den Erfahrungen und Einsichten der unmittelbar betroffenen Gesellschaftsgruppen. Während in der Politik weiterhin betont wird, soziale Gerechtigkeit bestehe vor allem darin, allen Jugendlichen gleiche Startchancen in das Berufsleben zu geben, indem ihnen gleiche Bildungschancen ermöglicht werden, sieht die Realität anders aus. Während es zu den wichtigsten bildungspolitischen Zielen einer demokratischen Gesellschaft gehören sollte, allen Heranwachsenden gleichen Zugang zu Bildung und Ausbildung zu verschaffen, ist die soziale Herkunft für den Lernerfolg und einen guten Bildungsabschluss in Deutschland nach wie vor entscheidend. Der Schulabschluss wird geradezu vererbt. Das Kind eines ungelernten Arbeiters hat bei gleichem Lernstand nur einen Bruchteil der Chancen des Arztsohnes eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten. Die PISA-Studien haben somit bestätigt, was vorher schon bekannt war und Heinz Kühn in seinem Memorandum bereits 1979 monierte: „Schule verschafft keine gleichen Startchancen, Schule verfestigt vielmehr soziale Benachteiligungen“.
Es wird im Weiteren nicht näher im Detail auf die Ergebnisse der PISA-Studie eingegangen, sondern vielmehr soll die Zusammenfassung des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zu den PISA-Studien zur Veranschaulichung der Ausgangslage genügen.

Soziale Herkunft, Kompetenzerwerb und Bildungsbeteiligung

„Das deutsche PISA-Konsortium hat zusätzliche Indikatoren zur Ermittlung des sozialen Hintergrunds der Schülerinnen und Schüler verwendet, die einen Vergleich zwischen 2000, 2003 und 2006 ermöglichen.

  • Bei der Lesekompetenz zeigt sich eine leichte Entspannung beim Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb. Deutschland gehört damit zu den wenigen Ländern, in denen sich die Abhängigkeit der Leseleistungen von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler kontinuierlich verringert hat, aber er ist immer noch zu hoch.
  • Zwischen 2000 und 2006 haben vor allem Kinder aus den unteren sozialen Schichten ihre Lesekompetenzen gesteigert. Diese positive Entwicklung gilt jedoch nicht für Mathematik und Naturwissenschaften.
  • Beim Gymnasialbesuch ist eine leichte Zunahme von 2000 (28%) und 2006 (31%) festzustellen, insbesondere von Schülerinnen und Schülern aus den mittleren und unteren sozialen Schichten.
  • Insgesamt bestehen aber auch weiterhin beim Besuch des Gymnasiums erhebliche soziale Unterschiede. Jugendliche aus Familien der oberen sozialen Schichten haben eine 2,7-mal höhere Chance ein Gymnasium zu besuchen als Kinder eines Facharbeiters. Bei PISA 2000 waren die Chancen noch 4,2-mal größer.
  • Es zeigen sich in allen drei Testbereichen große Leistungsunterschiede zwischen den Schulformen. Dabei kommt es zu erheblichen Überschneidungen.

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund

  • Deutschland ist mit einer Differenz von 73 Punkten zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund weiterhin das OECD-Land mit den stärksten migrationsbedingten Unterschieden, die sich insbesondere bei den Jugendlichen der sogenannten zweiten Generation zeigen. Obwohl in Deutschland geboren, erzielen diese Jugendlichen schlechtere Leistungen als ihre aus dem Ausland zugewanderten Mitschülerinnen und Mitschüler.
  • Die hohe Differenz ist in einem erheblichem Maße auf soziale Unterschiede und sprachliche Defizite zurückzuführen.“
(Quelle: Internetseite BMBF http://www.bmbf.de/de/6624.php)

2 Mentoren als Brückenbauer

Kinder und Jugendliche, denen in ihren eigenen Familien wenige oder keine Anreize zum Lernen und zur Berufsfindung geboten werden, könnten und sollten von dem Erfahrungsschatz derjenigen profitieren, die in Schule und Beruf erfolgreich waren und sind. Insbesondere Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund MH sollen bestärkt werden, höhere Schulabschlüsse anzustreben, um so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten und somit auch eine verstärkte Integration und Partizipation in die Mehrheitsgesellschaft zu ermöglichen. Diese Lücke schließen wir mit den Mentoren in unserem Elternverein.
Die Mentoren können erfolgreich und für die Schüler greifbar demonstrieren, dass eine Person aus einer sozial schwachen Familie oder auch mit Migrationshintergrund durchaus in der Schulausbildung und im Beruf erfolgreich sein kann. Der Mentor fungiert u.a. als Beispiel für "Integration und Erfolg" und schafft somit Motivation und Identifikation („Leuchtturmfunktion“). Sowohl die Familien als auch die Kinder und Jugendlichen schöpfen aus den Erfahrungen des Mentors, der die gleichen sozialen und kulturellen Hürden nehmen musste und sie erfolgreich überwunden hat. Der Mentor hat die Aufgabe als Brückenbauer und Bindeglied zwischen Schülern, Eltern, Schulen und Nachhilfelehrern zu wirken.
Die Hauptaufgabe besteht darin, die Eltern für das Schulsystem zu sensibilisieren und die außerordentliche Wichtigkeit der Schulbildung vor Augen zu führen. Der Mentor hilft, die Kommunikation zwischen Elternverein, Eltern und Schulen zu unterstützen und den Kontakt kontinuierlich zu pflegen, indem er bspw. an Elternabenden teilnimmt und bei Familien mit Migrationshintergrund ggf. als Dolmetscher fungiert. Das Gleiche gilt auch für Kontakte zu außerschulischen Institutionen, wie z.B. zur Berufs- und Studienberatung.
Die Mentoren verfügen über bestimmte Kenntnisse und Erfahrungen, z.B. bilinguale Sprachkenntnisse, die sie aus ihrem eigenen Werdegang ableiten, wobei die deutsche Sprache als Grundvoraussetzung und die Herkunftssprache eines Schülers mit Migrationshintergrund als Mindestvoraussetzung gefordert sind. Ferner weisen sie eine abgeschlossene Schul- und Berufausbildung oder ein begonnenes oder beendetes Studium vor. Ebenso liegen Kenntnisse im deutschen Bildungswesen und in der beruflichen Aus– und Weiterbildung vor. Vor allem sind die Mentoren in der Lage, interkulturell zu denken und zu kommunizieren (interkulturelle Kompetenz).
Wichtig ist, dass die Aufgaben des Mentors das elterliche Erziehungsrecht nicht einschränken.

3 Besonderheit bei Schülern mit Migrationshintergrund

Es ist eine Binsenweisheit, die zu wiederholen man sich schon kaum noch wagt: Sprachkenntnisse sind nicht alles – aber sie sind eine unverzichtbare Voraussetzung für fast alles. Ohne ausreichende Kenntnis der deutschen Verkehrssprache nützt der beste Mathematikunterricht herzlich wenig, weil die Erklärungen und Erläuterungen des Lehrers nicht oder nur unvollkommen verstanden werden. Ohne entsprechende Fähigkeiten in der deutschen Sprache hat es jeder Schüler schwer, einen Ausbildungsplatz zu erhalten und anschließend beruflich Fuß zu fassen.
Mündliche und schriftliche Sprachfertigkeiten sind eine unverzichtbare Voraussetzung für die Beherrschung einer Sprache. Sie sind wichtig für den Erwerb der Lesekompetenz, den Erwerb und die dauerhafte Pflege eines Wissensschatzes, das Erschließen neuer Kenntnisse, sozialer Kontakte und damit das Aneignen sozialer Kompetenzen. Kurz: Die Sprache hat eine herausragende Bedeutung für die Integration und Partizipation; mündliche und schriftliche Kompetenzen in der Landessprache sind entscheidend für die Bildungs- und damit für die Arbeitsmarktchancen.
Das Hauptanliegen eines Vorhabens, das darauf abzielt, den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen zu verbessern und möglichst allen Schülern durch gezielte Hilfen einen erfolgreichen Schulabschluss mit Hochschulzugangsberechtigung zu ermöglichen, muss es deshalb sein, beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen und zu fördern – schreiben, lesen, sprechen. Die Aufgabe der Sprachlehre und -entwicklung fällt im Grunde in die Kernkompetenzen der Schulen. Das Ergebnis betrachtend sind die Schulen damit zumindest partiell überfordert. Deutsch sprechen, lesen und schreiben können viele Schüler, insbesondere solche mit Migrationshintergrund und/oder aus sozial benachteiligtem Elternhaus, nicht oder zumindest nicht ausreichend.

4 Das Konzept

1. Anmeldung zur Hausaufgabenförderung und Nachhilfe

Wenn Eltern sich entschließen, an dem Mentoren-Konzept KoMpaSS in unserem Elternverein teilzunehmen, müssen sie sich gleichzeitig auch bereit erklären, ihr Kind in unserer Hausaufgabenförderung und Nachhilfe anzumelden. Im Rahmen unseres Elternvereins organisieren wir eine Hausaufgabenförderung und Nachhilfe unter dem Namen „S.O.S. School of Scandinavia“. Da alle Straßen im Bremer Stadtteil Marßel nach skandinavischen Städten benannt sind und größtenteils unsere Schüler im Stadtteil Marßel wohnen, haben wir unsere Hausaufgabenförderung und Nachhilfe die „S.O.S. School of Scandinavia“ getauft. Der Name soll bei den Kinder und ihrem Freundeskreis Interesse wecken. Unsere These ist, dass es besser klingt, wenn die Schüler sagen können: „Ich gehe zur „S.O.S. School of Scandinavia“, anstatt sagen zu müssen, dass sie zur Nachhilfe gehen.
Zu der Anmeldung bringen die Eltern die letzten 4 Schulzeugnisse ihrer Kinder mit. Wir weisen die Eltern darauf hin, dass das Mitbringen der Zeugnisse keine Anmeldevoraussetzung und freiwillig ist, uns aber zum Verständnis über die Entwicklung der schulischen Leistungen der letzten zwei Schuljahre von großer Bedeutung ist. Bisher hat es keine Eltern gegeben, die die Zeugnisse nicht vorzeigen wollten. Die wichtigsten Daten zu der Familie werden dann in dem Anmeldeformular aufgenommen.
Die Hausaufgabenförderung und Nachhilfe ist kostenpflichtig. Die S.O.S. Kursgebühren belaufen sich bei einmal die Woche mit 90min reine Unterrichtszeit auf 30,00 € monatlich und steigt linear mit der Anzahl der Stunden (also für zweimal die Woche zu je 90min 60,00 € monatlich, etc.).

SOS Aufnahmeantrag

Nach einer gemeinsamen Analyse der Zeugnisse legen wir gemeinsam mit den Eltern und dem Schulkind ein bis zwei Fächer fest, bei denen wir gezielte Hausaufgabenförderung und Nachhilfe anbieten und ordnen jedem Schüler einen Mentor zu.

2. Besuche auf Elternsprechtagen

Der Mentor vereinbart einen Gesprächstermin mit dem jeweiligen Klassen- bzw. Fachlehrer des Schulkindes, an dem er gemeinsam mit den Eltern des Kindes teilnimmt. Ziel des Gespräches ist es, sich einen möglichst umfassenden Überblick über die aktuelle Situation des Schulkindes zu verschaffen.
Das Gespräch ist in zweite Teile gegliedert.
In dem ersten Teil des Gespräches wird die fachliche Leistung des Schulkindes besprochen. Die folgende Vorlage dient als Gesprächsleitfaden. Wichtig dabei ist es, das Gespräch möglichst auch in dieser Reihenfolge zu führen.
Nach dem aktuellen Stand und der Prognose zu den Schulnoten werden die fachlichen Stärken des Schülers besprochen. Dies fördert eine positive Grundstimmung in dem Gespräch und die Eltern werden nicht nur mit fachlichen Schwächen ihrer Kinder konfrontiert. Als nächstes werden dann die fachlichen Schwächen besprochen und der erste Teil des Gespräches endet mit konkreten Verbesserungsmaßnahmen, die der Fachlehrer, die Eltern und die Nachhilfelehrer in Kooperation und vereinzelt unternehmen können.

SOS Aufnahmeantrag

Im dem zweiten Teil des Gespräches wird dann intensiv das Arbeits- und Sozialverhalten des Schulkindes besprochen. Auch hierzu verwendet der Mentor eine Vorlage und fragt zunächst nach positiven und anschließend nach negativen Auffälligkeiten des Schulkindes und diskutiert Verbesserungsmaßnahmen.

Protokoll

Die Aufgabe des Mentors ist es, das Gespräch möglichst in dieser Struktur zu leiten, die einzelnen Aspekte zu protokollieren und die Durchführung der konkreten Verbesserungsmaßnahmen zu verfolgen und zu steuern.

Besonderheiten bei Schülern mit Migrationshintergrund

Für Eltern mit Migrationshintergrund haben wir die Kriterien, nach denen das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler von den Klassen- bzw. Fachlehrern eingestuft wird in die jeweilige Sprache übersetzt, bspw. türkisch.

3. Vorlagen für Hausbesuche bei den Familien

Im Anschluss an das Gespräch in der Schule werden die Schüler Zuhause besucht. Die Eltern entscheiden, ob sie dieses Angebot an Hausbesuchen der Mentoren annehmen möchten. Bis heute hat kein Elternteil dieses Angebot in unserem Elternverein abgelehnt und wir haben durchweg eine positive Resonanz von den Eltern und Schülern auf unsere Hausbesuche erhalten.
Bei diesen Hausbesuchen wird noch einmal mit den Schülern und den Eltern gemeinsam das Gespräch in der Schule diskutiert und speziell die Verbesserungsmaßnahmen mit dem Schulkind besprochen. Hier wird auch noch einmal die Meinung des Schulkindes mit einbezogen.
Danach werden zwischen den Eltern und dem Schulkind Zielvereinbarungen für die Schulnoten im nächsten Zeugnis getroffen. Hierzu wird die folgende Vorlage verwendet.

Notenziele

Diese Zielvereinbarung wird dann sichtbar im Zimmer des Schulkindes angebracht. Alle Schulnoten aus den Arbeiten und Tests werden im laufenden Schuljahr in diese Tabelle eingetragen, so dass Eltern und Schüler die Entwicklung über das Schuljahr hinweg verfolgen können.
Diese gewonnenen Erfahrungen zeigen uns, dass gerade diese einfachen Leistungs- und Terminkontrollen oftmals völlig vernachlässigt werden bzw. die Fähigkeit, diese aus eigener Initiative einzuführen und aufrechtzuerhalten, nicht gegeben sind. Der Mentor ist somit auch angehalten, die Durchführung in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren, bis dies eigenständig durch Eltern und Kind erfolgt.

4. Vorlagen für unsere Nachhilfelehrer

Wie bereits im Anfang dieses Kapitels erwähnt, ist neben dem Mentoring ein wichtiges Standbein unseres Konzeptes die Hausaufgabenförderung und Nachhilfe.
Hierzu erhalten die Schüler je nach Bedarf Hausaufgabenförderung und Nachhilfe in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch. In einer Klasse mit maximal vier Schülern werden sie fachlich unterstützt. Eine Unterrichtseinheit dauert 90 min und findet in der Regel zweimal die Woche statt. Die Schüler sind angehalten, ihre Hausaufgaben vor dem Nachhilfeunterricht zu erledigen. In dem ersten Teil des Nachhilfeunterrichts werden die Hausaufgaben nur kontrolliert und auftauchende Fragen geklärt. Damit wollen wir die Selbständigkeit der Schüler unterstützen, da sie sich sonst zu sehr auf die Unterstützung der Nachhilfelehrer verlassen würden. Im zweiten Teil werden dann angemessene Übungen mit den Schülern bearbeitet.
Um eine regelmäßige Teilnahme an dem Nachhilfeunterricht zu erreichen, füllen die Nachhilfelehrer für jeden Tag eine Anwesenheitsliste aus. Der Mentor prüft monatlich die Anwesenheit seines Schulkindes und kontaktiert die Eltern, wenn Unregelmäßigkeiten bei der Teilnahme erkennbar sind.

Anwesenheitsliste

Darüber hinaus pflegt jeder Nachhilfelehrer für seine Klasse eine Vorlage, aus der die Notenentwicklung für jeden einzelnen Schüler nachvollzogen werden kann. Dies gibt den Nachhilfelehrern einen Überblick über den aktuellen Stand der Verbesserung der schulischen Leistungen ihrer Schüler.

Der Mentor kann aus diesem Dokument wichtige Informationen zur Entwicklung seines Schülers entnehmen. Bei eventuell auftauchenden Problemen besteht somit die Möglichkeit, jene früh zu erkennen und mit dem jeweiligen Nachhilfelehrer rechtzeitig Kontakt aufzunehmen.



Stand: 2008-07-18

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